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Zeitzeugin spricht über die Nazidiktatur

aus dem Umfeld der "Weißen Rose"

Anneliese Knoop-Graf, eine der letzten Zeitzeugen der Nazidiktatur, berichtet über die Nazizeit und die Arbeit der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Aufgrund der hohen Nachfrage -u. a. auch von Schulklassen- findet der Vortrag mit Gesprächsrunde von Frau Knoop-Graf am Donnerstag, 20. November 2008, um 19:00 Uhr, nun im großen Saal des Bürgerzentrums in Wermelskirchen statt. Der Eintritt ist frei. Vor und nach diesem Vortrag kann die Ausstellung besichtigt werden.

Bürgermeister Eric Weik: „Diese Veranstaltung ist das letzte Highlight der Ausstellung „Auschwitzdokumentation und Weiße Rose“ die noch bis zum 21.11.2008 im Rathaus öffentlich zugänglich ist. Ich finde es toll, wie sich gerade Schülerinnen und Schüler für dieses sehr schwierige Thema interessieren und wie diese mit viel Eifer dieses Projekt unterstützen.“

Lehrerin der Hauptschule, Marie-Louise Lichtenberg: „Es war und ist beeindruckend, dass dieses Thema viele Schülerinnen und Schüler auch weit über die Anforderungen des Unterrichts hinaus beschäftigt hat. Es hat Lernen mit allen Sinnen ermöglicht, Neugier und Empathie ausgelöst und nicht nur den Jugendlichen den Horizont erweitert.“

Das auch heute hochaktuelle Thema „Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung“ greift eine Tagebuchnotiz ihres Bruders Willi Graf vom Juni 1943 auf, in der das Selbstverständnis der jungen Studenten deutlich wird. Willi Graf gehörte zusammen mit Christoph Probst, Kurt Huber, Alexander Schmorell und den Geschwistern Scholl zum inneren Kern der „Weißen Rose“. Diese Bewegung hatte sich zum Ziel gesetzt, aktiv über die Sinnlosigkeit der Nazidiktatur und die Gräuel des Krieges aufzuklären, eines Krieges, den die meisten der Studenten in Russland selbst in vorderer Front kennen gelernt hatten. In den fundierten Darstellungen der immer unter Lebensgefahr verbreiteten Flugblätter widersprachen sie mit großer Deutlichkeit den Lügen der offiziell verbreiteten Staatspropaganda. Sie provozierten die Mitläufer und vor allem die Machthaber jener Zeit mit ihren Aufklärungsversuchen, die immer wieder in konkreten Aufforderungen mündeten, wie z.B. dieser: „Verbergt nicht Eure Feigheit unter dem Mantel der Klugheit“ (3. Flugblatt).

Nach der Festnahme der Geschwister Scholl am 18. Februar 1943 im Lichthof der Münchener Universität wurde Willi Graf noch am gleichen Tag gemeinsam mit seiner Schwester Anneliese, damals ebenfalls Studentin in München, in der gemeinsamen Wohnung verhaftet. Er wurde am 19. April 1943 vom Volksgerichtshof unter Vorsitz seines berüchtigten Präsidenten Roland Freisler zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung Willi Grafs jedoch wurde im Gegensatz zur Ermordung der Gesinnungsfreunde bis zum 12. Oktober 1943 hinausgezögert, da er von der Geheimen Staatspolizei noch „benötigt“ wurde. Diese hat sich in richtiger Einschätzung der tragenden Rolle Willi Grafs mit großem Aufwand darum bemüht, Namen von Mitwissern aus ihm herauszupressen. Aufgrund der Persönlichkeit und des Geschicks von Willi Graf hatten diese Erpressungsversuche keinen Erfolg, auch nicht, als neben der Schwester Anneliese auch die Eltern in Sippenhaft genommen wurden.

Nach der Hinrichtung des Bruders hat Anneliese Knoop-Graf dessen ausdrücklich an sie gerichtetes Vermächtnis, „weiter zu tragen, was wir begonnen haben“, zu ihrem Lebenswerk gemacht. Dabei hat sie sich nicht nur der persönlichen Erinnerung an ihren Bruder gestellt, sondern sich auch sehr intensiv um eine gründliche Aufarbeitung der geschichtlichen Tatsachen bemüht. Für diese umfassende und aufklärerische Arbeit ist sie im Jahr 2006 mit der Ehrendoktorwürde der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Karlsruhe ausgezeichnet worden.