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Abbau von PCB-Belastungen in Schulen

Beginn der PCB-Untersuchungen

Erste Gebäudeuntersuchungen in den Wermelskirchener Schulen und Kindergärten auf eine mögliche PCB-Belastung wurden bereits 1992 durchgeführt. Ausgangspunkt waren Veröffentlichungen über undichte PCB-haltige Kondensatoren in Beleuchtungskörpern, welche zu Ausgasungen führen können. Desweiteren lagen Mitteilungen und Veröffentlichungen zu sonstigen PCB-Belastungen in Kölner Schulen vor, verbunden mit einer beginnenden Diskussion über toxische Auswirkungen der Raumluftbelastungen für den menschlichen Organismus. Mit Einstieg in diese Diskussion wurde sofort mit einer umfassenden Analyse eventueller PCB-Raumluftbelastungen in den Wermelskirchener Schulen und Kindergärten begonnen.

 

Ergebnis dieser Untersuchung war, dass in Wermelskirchen 2 Schulen PCB-belastet sind. Hierbei handelt es sich um die Grundschule Ost und die städtische Realschule. In sonstigen Gebäuden wurde keine PCB-Belastungen festgestellt.

Die Ergebnisse der PCB-Messungen seit 1992 sind hier als PDF-Dokument einsehbar.

(Letzte Änderung: 10.12.2012)

Bewertungsrichtlinien

PCB
Zum Zeitpunkt der ersten PCB-Analysen 1991-1993 bestanden für Nordrhein-Westfalen keinerlei behördliche Regelungen, Verordnungen oder Gesetze aus welchen eine Gefährdungseinschätzung hätte abgeleitet werden können. Die Stadt Wermelskirchen hat sich von daher an einer Verordnung des Landes Hessens orientiert, welche seinerzeit Handlungsanweisungen bei PCB-Belastungen vorgab.
Erst 1996 hat das Land Nordrhein-Westfalen eine Verordnung erlassen, welche Handlungsanweisungen vorgibt. Die Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCB-Richtlinie NRW) gibt bis heute die folgenden Grenzwerte vor:
  • Raumluftbelastungen unter 300 ng PCB/m³ Luft sind als langfristig tolerabel anzusehen (Vorsorgewert).
  • Bei Raumluftkonzentrationen zwischen 300 und 3000 ng/m³ Luft ist die Quelle der Raumluftverunreinigung aufzuspüren und unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit mittelfristig zu beseitigen. Zwischenzeitlich ist durch regelmäßiges Lüften sowie gründliche Reinigung und Entstaubung der Räume eine Verminderung der PCB-Konzentration anzustreben. Der Zielwert liegt bei weniger als 300 ng PCB/m³ Luft (Sanierungsleitwert)
  • Bei Raumluftkonzentrationen oberhalb von 3000 ng/m³ Luft sind akute Gesundheitsgefahren nicht auszuschließen (Interventionswert für Sofortmaßnahmen)

Die Raumluftbelastungen waren in beiden Objekten von Anfang an sehr unterschiedlich. Wurden in der GS-Ost bei rd. 50 Messungen bis heute lediglich zwei Messergebnisse über 3000 ng/m3 Raumluft festgestellt, haben sich bei der Realschule bei rd. 100 Messungen 14 Messergebnisse ergeben, die über 3000 ng/m3 lagen. Spitzenwerte erreichten bis 11600 ng/m3. Von Bedeutung ist hier, dass erst bei Raumluftbelastungen über 3000 ng/m3 ein akuter Handlungsbedarf besteht.

Wichtig ist hier, dass alle Messergebnisse über 3000 ng vor der Durchführung von Sanierungsmaßnahmen festgestellt worden sind. Nach Durchführung von Sanierungsmaßnahmen wurden keine Ergebnisse dokumentiert, die einen akuten Handlungsbedarf begründen.

Handlungskonzept

Zur Erarbeitung eines gezielten Handlungskonzepts wurden in den Jahren 1993/1994 in beiden Schulen durch ein Kölner Umweltinstitut umfangreiche Baustoffuntersuchungen vorgenommen um festzustellen, welche Bauteile wie hoch belastet sind. Parallel hierzu wurden Lösungsansätze zu Sanierungsmaßnahmen auch mit der Stadt Köln erörtert, die zum damaligen Zeitpunkt bereits umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt und entsprechende Erfahrungen zum Thema PCB gesammelt hatte.

Hierbei ist bei PCB-belasteten Baustoffen zu unterscheiden zwischen Primärquellen (Baustoffe, denen PCB, z.B. zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit, gezielt zugegeben wurde) und Sekundärquellen (Baustoffe, die ausgasende PCBs aufnehmen, speichern und dann wieder abgeben).

Nach Abschluss und Auswertung der Baustoffuntersuchungen wurde zur Feststellung der erforderlichen Maßnahmen und Arbeitsabläufe zur Sanierung in beiden Schulen unmittelbar im Anschluss der Auswertung noch im Jahr 1994 jeweils eine Pilotsanierung durchgeführt, wobei für einen 1. Sanierungsabschnitt Zielsetzung die Entfernung der inneren Fugenmassen als Primärquelle war.

Sanierung

Nachdem die Pilotsanierungen ausgewertet waren, wurde unmittelbar ein erster Sanierungsabschnitt für beide Schulen geplant, ausgeschrieben und vergeben. Ziel dieses ersten Sanierungsabschnitts war die Entfernung der inneren dauerelastischen Fugenmassen, welche als Primärquelle eingebaut waren. Die Umsetzung dieses 1. Sanierungsabschnitts erfolgte in beiden Schulen 1995. Zusätzlich erfolgte in der Grundschule Ost eine Sanierung der abgehängten Decken, mit dem Austausch der auf den Decken lose aufliegenden Mineralwolle.

Ergebnis der 1. Sanierungsmaßnahme war eine erhebliche Senkung der Raumluftbelastung. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Minderung der Raumluftbelastung in der GS-Ost höher war als in der Realschule.

Während in der GS-Ost ab 11/1995 bis zu den letzten Messungen die Raumluftbelastung im Mittel zwischen 300 und 780 ng/m3 lag, lagen nach der Sanierung der Fugenmassen in der Realschule die Werte im Durchschnitt immer noch bei 1500 ng/m3. Das begründete auch die Entscheidung weitere Sanierungsmaßnahmen vordergründig auf die Realschule zu beziehen, weil hier die Raumluftbelastung deutlich höher als in der GS-Ost war.

In einem 2. Sanierungsabschnitt in den Jahren 1996 und 1997 der komplette Oberboden saniert. In der GS-Ost wurden bereits 1995 in zwei Klassen des Erweiterungsbaus saniert.

Weiter gehende Sanierungsmaßnahmen

Zur Untersuchung der Umsetzung weiterer Sanierungsmaßnahmen wurde 1999 in der Realschule eine weitere Pilotmaßnahme durchgeführt. 3 Klassenräume wurden komplett saniert, das heißt alle sonstigen bekannten PCB-Quellen wurden ausgebaut und die Bauteile erneuert. Die Maßnahmen bezogen sich auf die Entfernung PCB-belasteter Anstriche, die Erneuerung der abgehängten Decken, einschließlich Beleuchtung und die Erneuerung von Fensterbänken.

Im Zuge dieser Pilotmaßnahme wurde darüber hinaus untersucht, in wie weit die nach wie vor belasteten Außenfugen Einfluss auf die Raumluft haben. Bei den umfangreichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass die PCB-belasteten Außenfugen keinen Einfluss auf die Raumluft haben.

Aktuelle PCB-Sanierung

Das Ergebnis dieser 1999 durchgeführten Pilotmaßnahme in der Realschule ist zwischenzeitlich in einen 3. Sanierungsabschnitt eingeflossen, mit welchem 2002 begonnen worden ist.

Bis Ende 2004 sollen in zusammenhängenden Teilbereichen 20 Räume, Treppenhäuser und Flurbereiche abschließend komplett saniert werden. Die vorgesehenen Maßnahmen beziehen sich dabei auf die Sanierung von Anstrichen, die Erneuerung von Decken die Erneuerung der Beleuchtungskörper und die Erneuerung von Fensterbänken.

In der GS-Ost sind zur Zeit aufgrund der nur geringen Raumluftbelastungen keine konkreten Maßnahmen vorgesehen

Mit Fertigstellung des 3. Sanierungsabschnitts sind in der Realschule alle primär- und sekundärkontaminierten Bauteile ausgetauscht. Bis dahin werden in den beiden Schulen für die PCB-Sanierung insgesamt rd. 750.000 Euro investiert sein.