Für viele Menschen sind Krankheit, Unfall und Tod Tabuthemen. Selbst im engsten Familien- und Freundeskreis wird oftmals nicht darüber gesprochen. Im eigenen Interesse und im Interesse der Angehörigen sollte jedoch frühzeitig eine Regelung über die Vorsorge getroffen werden. Vollmachten und Verfügungen gewährleisten, dass eigene Wünsche berücksichtigt werden, wenn man selbst nicht mehr in der Lage ist, die anfallenden Aufgaben zu erledigen oder Entscheidungen zu treffen. Den Angehörigen fallen Entscheidungen leichter, wennn Wünsche des Betroffenen rechtzeitig festgehalten worden sind - in einer Vorsorgevollmacht und einer Patientenverfügung.

Umfassende Information bietet das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz  https://www.bmjv.de/DE/Themen/VorsorgeUndPatientenrechte/Betreuungsrecht/Betreuungsrecht_node.html

Vorsorgevollmacht

Eine Vorsorgevollmacht ermächtigt eine oder mehrere Personen, im Namen des Vollmachtgebers in allen oder speziellen Angelegenheiten, zu handeln. Beispielsweise Gesundheitsfürsorge, Aufenthaltsbestimmung, Vertretung vor Gericht und vor anderen Behörden, Vermögensangelegenheiten. Auch Ehepartner und Kinder benötigen für die Interesssensvertretung eigene Vollmachten.

Der Betreuungsverein im Diakonischen Werk des Kirchenkreises Lennep bietet an jedem 1. Montag im Monat Beratungen rund um das Thema Betreuungsrecht im Rathaus und im Haus der Begegnung an. Eine Terminvereinbarung ist im Vorfeld notwendig: Telefon: 02196/ 73 24 95

Weitere Information: https://www.rbk-direkt.de/Dienstleistung.aspx?dlid=485

Vorsorgevollmachten können dem "Zentralen Vorsorgeregister" der Bundesnotarkammer gegen eine geringe Gebühr gemeldet werden. Die Eintragung im Register hilft dem Betreuungsgericht die Vorsorgevollmacht im Betreuungsfall schnell zu finden und vermeidet ein aufwendiges Betreuungsverfahren. Dabei werden nicht die Vollmachten hinterlegt, sondern deren Existenz dokumentiert. https://www.vorsorgeregister.de/

Die Broschüre „Vollmacht – aber sicher!“ der Deutschen Hochschule der Polizei gibt praktische Tipps, wie bei der Erteilung einer Vollmacht für die Vermögenssorge, Risiken vermindert werden können.

Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung ist eine vorsorgliche Verfügung, die eine medizinische Versorgung oder Behandlung festlegt, für den Fall, dass man sich selbst nicht mehr äußern oder mitteilen kann. Für Ärzte und Angehörige enthält sie Vorgaben über Art und Umfang von diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen und auch den gewünschten Aufenthaltsort der Behandlung. Die Patientenverfügung ist in zwei gesetzlichen Fällen (irreversibeles Grundleiden und dauerhaft im Koma) bindend, in anderen Fällen erleichtert sie den Ärzten und Angehörigen die Entscheidungen für medizinische Eingriffe.

Das Bundesministerium der Justiz stellt für die Erstellung einer individuellen Patientenverfügung Textbausteine zur Verfügung:https://www.bmjv.de/DE/Themen/VorsorgeUndPatientenrechte/Betreuungsrecht/Betreuungsrecht.html?nn=6765634#[Thema3]

Eine Patientenverfügung in leichter Sprache hat der Förderverein für Menschen mit geistiger Behinderung Bonn e.V. in Zusammenarbeit mit dem Verein für ambulante und stationäre Hospizarbeit BONN LIGHTHOUSE E.V herausgebracht und kann unter http://www.foerderverein-bonn-beuel.de/ bezogen werden.

Der Hospizverein Wermelskirchen e.V. bietet bei der Erstellung einer Patientenverfügung Unterstützung an.

Gesetzliche Betreuung

Eine gesetzliche Betreuung richtet das Amtsgericht ein, wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt und ein volljähriger Mensch aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten nicht oder teilweise nicht besorgen kann. Das Amtsgericht prüft mit der Betreuungsbehörde im Rahmen eines Betreuungsverfahrens die Notwendigkeit. Betroffene selbst oder Familienangehörige, Nachbarn und Behörden können eine Betreuung beim Amtsgericht beantragen und anregen. Können keine Angehörige oder Vertrauenspersonen die gesetzliche Betreuung übernehmen, wird vom Amtsgericht ein Berufsbetreuer oder ein ehrenamtlicher Betreuer bestellt.

Im Vorfeld kann mit einer Betreuungsverfügung festgelegen werden, wen das Amtsgericht als rechtlichen Betreuer oder rechtliche Betreuerin bestellen soll. Das Gericht ist an diese Wahl gebunden, wenn sie dem Wohl der zu betreuenden Person nicht entgegensteht.

Informationen und Broschüren zum Betreuungsrecht, auch in Leichter Sprache, stellt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz zur Verfügung.

Für den Notfall gut vorbereitet

Im Notfall zählt jede Minute und dann erhöht der schnelle Zugang auf die wichtigsten Gesundheitsdaten einer Patientin oder eines Patienten die Überlebenschancen. Wichtige Informationen für Ärzte und Rettungskräfte wie Blutgruppe, welche Medikamente benötigt werden, Notfallkontaktdaten und mehr, sollten deshalb immer griffbereit sein. Lebensrettende Auskünfte insbesondere über Vorerkrankungen können auf Notfallkarten und -dosen und auf Krankenhausschecklisten vermerkt werden.

Vorsorge für den digitalen Nachlass

Wer das digitale Erbe verwalten und wie mit den persönlichen Daten aus dem Netz umgegangen werden soll, können Online-Nutzer*innen mit einer Vollmacht festlegen. Am besten wird eine Person des Vertrauens bestimmt und eine Übersicht aller Accounts mit Benutzernamen und Kennworten angelegt.

Die Stiftung Warentest und die Verbraucherzentrale stellen Muster-Vollmachten und Muster-Listen bereit.

Mehr Information über Die Bundesregierung "Digitalen Nachlass rechtzeitig regeln"

Bestattungsvorsorge

Eine Bestattungsvorsorge in Form eines Treuhandvertrags oder einer Sterbegeldversicherung erlauben bereits zu Lebzeiten Wünsche über die inhaltliche Gestaltung und Bestattungsform festzulegen und vermeiden eine finanzielle Belastung der Erben. Bei einem Treuhandvertrag wird eine einmalige Summe, bei einer Sterbegeldversicherung in Raten eingezahlt.

Bestattungsvorsorge und Sterbegeldversicherungen im angemessenen Umfang werden bei der Berechnung der Sozialhilfeleistung nicht mit einbezogen.

Weitere Informationen und Anbieter: https://www.bestatter.de/

Bestattungsverfügung der Verbraucherzentrale: In eine Checkliste zum Ausfüllen werden alle wichtigen persönlichen Daten und Wünsche eingetragen. Für Angehörige ist dies eine gute Hilfe nach einem plötzlichen Todesfall, die schwierige Situation zu meistern.