Netzwerk-Workshop mit Fachkräften, denn Kinderschutz braucht Kooperation

Erstellt von Stephan Singer |

Wie können Fachkräfte sicher handeln, wenn sie bei einem Kind oder Jugendlichen Anzeichen für sexualisierte Gewalt wahrnehmen? Und wie können Gespräche so geführt werden, dass betroffene Kinder und Jugendliche Unterstützung erfahren, ohne ihre Aussagen zu beeinflussen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 24 Fachkräfte aus dem Netzwerk Kinderschutz Wermelskirchen bei einem Workshop im Rathaus.

Unter der Leitung von Christoph Sonntag und Doris Wanken von der Fachberatungsstelle „MehrBlick“ standen insbesondere der Umgang mit Vermutungen, die Gesprächsführung und konkrete Handlungsmöglichkeiten im Mittelpunkt. Anhand von Fallbeispielen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Situationen aus ihrem beruflichen Alltag reflektieren und so Handlungssicherheit gewinnen.

Dabei wurde deutlich: Oft beginnt Kinderschutz mit einem unguten Gefühl, wenn sich Auffälligkeiten im Verhalten eines Kindes nicht eindeutig einordnen lassen. Besonders herausfordernd wird die Situation, wenn ein Kind, eine Jugendliche oder ein Jugendlicher sich einer Fachkraft anvertraut. Dann gilt es, aufmerksam zuzuhören, offen zu fragen und keine suggestiven Fragen zu stellen. „Wenn das Kind bereit ist, wird es Ihnen etwas erzählen“, betonte Christoph Sonntag. Wärme, Respekt und echtes Interesse seien entscheidend, damit Kinder und Jugendliche freiwillig Informationen preisgeben können.

Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops beschäftigte sich damit, welche Botschaften betroffene Kinder und Jugendliche in solchen Situationen brauchen. Gemeinsam wurden Formulierungen besprochen, die Sicherheit und Unterstützung vermitteln können: „Gut, dass du gekommen bist. Das war mutig.“, „Ich glaube dir. Ich nehme dich ernst.“, „Ich bin für dich da. Du darfst dir jederzeit Hilfe holen.“ und „Deine Gefühle sind richtig und wichtig.“

Deutlich wurde während der Veranstaltung vor allem der Wert der interdisziplinären Zusammenarbeit. So nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den intensiven Austausch untereinander, um ihre Erfahrungen aus den unterschiedlichen Arbeitsfeldern einzubringen. Wie wichtig der ständige Austausch ist, fasste eine Fachkraft treffend zusammen: „Es gibt immer wieder Fälle, bei denen ich neu denken muss. Wir brauchen hierfür immer Menschen, mit denen wir uns austauschen können.“

Auch Doris Wanken betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Im Kinderschutz brauchen wir Kooperation.“

Genau hier setzt das Netzwerk Kinderschutz Wermelskirchen an: Fachkräfte aus unterschiedlichen Institutionen und Professionen miteinander verbinden, Expertise gegenseitig nutzbar machen und dadurch die Handlungssicherheit im Kinderschutz weiter stärken.

So waren am Workshop Fachkräfte unter anderem aus Kindertageseinrichtungen und Familienzentren, Grund- und Sekundarschulen, Jugendhilfe, Kindertagespflege, Psychotherapie für Kinder und Jugendliche, Beratungsstellen sowie dem Jobcenter Rhein-Berg beteiligt. „Das bündelt vielfältige Perspektiven und machten den interdisziplinären Austausch zum Kern der Veranstaltung“, bilanzierte Janina Gellermann, Koordinatorin des Netzwerks Kinderschutz Wermelskirchen beim Jugendamt.

Der gemeinsame Austausch zeigte: Handlungssicherheit entsteht nicht allein durch Fachwissen, sondern auch durch die Möglichkeit, schwierige Situationen gemeinsam zu reflektieren, voneinander zu lernen und im Bedarfsfall auf ein tragfähiges Netzwerk zurückgreifen zu können.

Info Der Workshop knüpfte unmittelbar an die Rückmeldungen und Bedarfe des vergangenen Fachtages des Netzwerks Kinderschutz Wermelskirchen an. Denn daraus war der Wunsch nach einer vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Thema „Handlungssicherheit im Umgang mit sexualisierter Gewalt“ entstanden. Die Fachberatungsstelle „MehrBlick“ begleitet das Netzwerk dabei als kompetente Ansprechpartnerin.
Für Fachkräfte, die am Workshop im September nicht teilnehmen konnten, gibt es bereits eine weitere Gelegenheit: Der Workshop wird wegen der hohen Nachfrage im Januar 2027 erneut angeboten. So können weitere Fachkräfte ihr Wissen vertiefen und gemeinsam an mehr Handlungssicherheit im Kinderschutz arbeiten. Nähere Informationen zum Termin und zur Anmeldung werden rechtzeitig bekannt gegeben.

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Janina Gellermann
Als Koordinatorin des Netzwerks Kinderschutz Wermelskirchen war Janina Gellermann vom Jugendamt die Organisatorin des Workshops, der wegen der hohen Nachfrage bereits im Januar eine Neuauflage erfährt. Foto: Stadt Wermelskirchen / Kathrin Kellermann
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