Bürgermeister informiert sich: Unbrauchbare Spenden bereiten „Kleiderladen“ nach wie vor arge Probleme

Erstellt von Stephan Singer |

Wohl und Wehe liegen im „Kleiderladen“ an der Eich eng beieinander. Gerade freut sich das ehrenamtlich aktive Team noch über eine Spende mit Säcken voller gut erhaltener Kleidung, da kann einige Minuten später der Blick in den nächsten „Spenden“-Karton bereits das Glück trüben: Feuchte, verschmutzte und löchrige Kleidungsstücke sind hier zusammengestopft. Sofort ist klar: Eine weitere Sichtung des Inhalts hat keinen Sinn, denn die Feuchtigkeit hat bereits alle Stoffe durchzogen. Die traurige Konsequenz: Das „Kleiderladen“-Team muss den Karton samt Inhalt entsorgen. „Sowas passiert uns leider immer wieder“, schüttelt Ludwig Fein den Kopf. Er ist Vorsitzender des Ortsverbandes des Kinderschutzbundes, der den „Kleiderladen“ betreibt.

Ihm ist wichtig: „Wir freuen uns riesig über Spenden von noch gut tragbarer Kleidung. Jedoch mit zerschlissener oder verdreckter Kleidung können wir nichts anfangen, die gehört in den Restmüll. Und wir sind nicht der Müllentsorger.“

Dass dieses Problem für den „Kleiderladen“ immer wieder zur „Nagelprobe“ wird, hatte Ludwig Fein bereits im vergangenen Sommer nachdrücklich in die Öffentlichkeit getragen. Jetzt folgte Bürgermeister Bernd Hibst einer Einladung vom Team des Kinderschutzbundes, um sich über die ehrenamtliche Arbeit im „Kleiderladen“ zu informieren. „Der Ortsverband des Kinderschutzbundes leistet mit dem ‚Kleiderladen‘ tolle Arbeit. Nicht nur, dass Menschen hier für einen schmalen Taler gut erhaltene Kleidung bekommen können. Obendrein kommt der Erlös aus dem ‚Kleiderladen‘ vielen sozialen Projekten für Kinder und Jugendliche in Wermelskirchen zugute.“

Vor Ort konnte sich Bernd Hibst ein Bild von der gut organisierten Arbeit im „Kleiderladen“ machen: Neben der Verkaufsfläche, auf der in Spitzenzeiten weit über 1000 Kleidungsstücke pro Woche eine neue Besitzerin oder einen neuen Besitzer finden, schaute sich der Bürgermeister auch „hinter den Kulissen“ um. Dort wird sortiert und systematisch gelagert: Nach Größen, nach Art und nach Jahreszeit – gerade erst hat das Team das „Kleiderladen“-Sortiment auf Sommerware umgeräumt.

Wo es hakt, konnte Bernd Hibst aber auch sehen. So zeigte ihm Ludwig Fein einen Rattankorb und eine Babytrage, die erst tags zuvor einfach vor dem „Kleiderladen“ auf dem Gehweg abgestellt worden waren. „Das ist Sperrmüll. Was einfach bei uns vor dem Laden abgestellt wird, müssen wir entsorgen“, sagt Ludwig Fein. Deshalb sein Appell: „Wer Kleidung spenden möchte, kommt während unserer Öffnungszeiten.“

Es sei schlicht unzulässig, einfach irgendwelche Sachen irgendwo abzustellen, fügt Bürgermeister Bernd Hibst hinzu. Sein Versprechen: „Ich werde unseren Ordnungsdienst darauf aufmerksam machen, damit verstärkt beobachtet wird.“

Welchen Aufwand der „Kleiderladen“ betreibt, zeigt sich beim Rundgang im „Kleiderladen“ in einem Kellerraum, in dem sich gefüllte Säcke an den Wänden stapeln. „Das sind von uns aussortierte Kleiderspenden. Auf der einen Seite sind es Kleidungsstücke, die nicht mehr brauchbar, aber recyclingfähig sind. Auf der anderen Seite befindet sich Kleidung, die noch gut tragbar, aber für unseren kleinen Laden zu viel ist – die spenden wir regelmäßig in die Ukraine“, erläutert Ludwig Fein.

So muss das ehrenamtlich tätige, rund 40-köpfige Team des Kinderschutzbund-Ortsverbandes die Kleiderspenden inzwischen aufwendig einteilen, mustern und sortieren, bevor ein Teil davon für das Angebot im „Kleiderladen“ bereitsteht: für den Verkauf vor Ort, für die Weitergabe, für das Recycling oder eben für den Restmüll.

„Dieser Aufwand bringt uns an den Rand der Kapazitäten – denn die Entsorgung in den Restmüll oder ins Recycling ist nicht unsere Aufgabe. Wir sind dankbar für die vielen Spenden, aber die Qualität reicht von sehr gut bis sehr schlecht oder gar erbärmlich“, beschreibt Ludwig Fein die Spannbreite: „Wir sortieren zurzeit im ‚Kleiderladen‘ monatlich etwa 80 große 120-Liter-Säcke gefüllt mit unbrauchbaren Textilien aus.“ Er macht den Aufwand auch an einer weiteren Zahl fest: Die Schichten im „Kleiderladen“ sind jeweils mit zwischen sechs bis acht Personen besetzt, von denen stets mindestens vier der ehrenamtlichen Kräfte allein mit Sortieren beschäftigt sind.

Seinen herzlichen Dank richtet der Ortsverbandsvorsitzende an alle, die tragbare Kleidungsstücke spenden. Diese Spenden sollten jedoch ausschließlich während der Öffnungszeiten im „Kleiderladen“ abgeben werden. Verschmutzte Textilien, Putzlappen oder kontaminierte Arbeitskleidung gehören ausschließlich in die eigene Restmülltonne. Ebenso stark zerschlissene Kleidung sowie auch Stoff- und Wollreste, für die es keine Verwendungsmöglichkeit mehr gibt. Auch andere Haushaltsgegenstände können vom „Kleiderladen“ nicht verwendet werden.

Öffnungszeiten „Kleiderladen“
Montag, Dienstag: 10 bis 12 Uhr
Montag, Mittwoch, Donnerstag: 15 bis 18 Uhr
Freitag, Samstag: 10 bis 13 Uhr

Mehr zum Kinderschutzbund in Wermelskirchen und zum „Kleiderladen“: hier

Info Auch die Tafel freut sich über Kleiderspenden und gibt diese an ihre Kundinnen und Kunden weiter. Die gespendete Kleidung sollte stets zur aktuellen Jahreszeit passen, damit die Sachen nicht längere Zeit gelagert werden müssen, sondern direkt ausgegeben werden können. Kleiderspenden nimmt die Tafel dienstags und mittwochs je von 10 bis 13 Uhr an. Die Kleiderausgabe findet parallel zu den Öffnungszeiten der Tafel statt.

Weitere Informationen zur Tafel: hier

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Im „Kleiderladen“ an der Eich informierte sich Bürgermeister Bernd Hibst (rechts) direkt vor Ort über die ehrenamtliche Arbeit. Foto: Stadt Wermelskirchen / Stephan Singer
Sortiert, gestapelt, gelagert – bis zur nächsten Abholung: Im Lager des „Kleiderladens“ stapeln sich blaue Säcke bis unter die Decke. Diese Kleidung hat das „Kleiderladen“-Team für die Menschen in der Ukraine sortiert – ein Hilfstransport bringt diese Waren regelmäßig in das Kriegsgebiet. Foto: Kleiderladen / Fein
Das Ausmaß der Kleidungsstücke, die das „Kleiderladen“-Team für das Recycling ausmustert, ist nicht weniger klein. Foto: Kleiderladen / Fein
Den ehrenamtlich Aktiven im „Kleiderladen“ dankte der Bürgermeister für ihr Engagement. Foto: Stadt Wermelskirchen / Stephan Singer
Ludwig Fein zeigt aber auch, was der „Kleiderladen“ nicht verwenden kann: Sperrmüll, wie eine Babytrage, die einfach vor dem Geschäft abgestellt wurde. Foto: Stadt Wermelskirchen / Stephan Singer